Nachhaltige Bank finden: Girokonten im Vergleich 2026
Du achtest vielleicht darauf, woher dein Kaffee kommt und wie deine Kleidung produziert wurde. Aber weißt du, was deine Bank mit dem Geld anstellt, das gerade auf deinem Girokonto liegt? Für die meisten ist das ein blinder Fleck – und genau hier setzt eine nachhaltige Bank an.
Ein Konto ist die leiseste Entscheidung im ganzen Haushalt. Einmal eröffnet, läuft es jahrelang weiter, ohne dass du es je wieder hinterfragst. Und während es läuft, arbeitet dein Guthaben – nur eben nicht unbedingt in deinem Sinne. Klassische Banken verleihen Einlagen weiter, mitunter an Branchen, die du im Supermarkt keines Blickes würdigen würdest.
Dieser Text ist ein erster Überblick, keine Anlageberatung. Er zeigt, welche grünen Konten es 2026 gibt, was sie kosten, worin sie sich unterscheiden – und woran du erkennst, ob „nachhaltig“ mehr ist als ein Wort auf der Startseite.
Was eine nachhaltige Bank ausmacht – und was nicht
Der Begriff ist nicht geschützt. Jedes Institut darf sich grün nennen, und genau deshalb lohnt der Blick darauf, was dahintersteckt. Eine wirklich nachhaltige Bank legt zuerst fest, was sie mit dem Geld ihrer Kundschaft nicht tut: keine Kredite an Rüstung, Atomkraft oder fossile Energien, keine Geschäfte mit Konzernen, die Menschenrechte missachten.
Auf der anderen Seite steht, wohin das Geld stattdessen fließt – in erneuerbare Energien, ökologische Landwirtschaft, sozialen Wohnraum oder Bildungsprojekte. Bei einer klassischen Großbank weißt du das in der Regel nicht. Bei einer grünen Bank kannst du es meist bis auf die Projektebene nachlesen, und manche veröffentlichen sogar jeden Kredit, den sie vergeben.
Dieser doppelte Filter – Ausschluss auf der einen, gezielte Förderung auf der anderen Seite – ist der eigentliche Unterschied. Alles andere, von der Holzkarte bis zur CO₂-Bilanz der App, ist nettes Beiwerk.
Die grünen Banken im Vergleich
Der deutsche Markt wird 2026 von vier Namen geprägt: GLS Bank, UmweltBank, EthikBank und Tomorrow. Sie verfolgen dasselbe Ziel, kommen aber aus unterschiedlichen Richtungen – von der traditionsreichen Genossenschaft bis zur reinen Banking-App.
GLS Bank – die Erfahrene
Die GLS Bank aus Bochum ist die älteste sozial-ökologische Bank Deutschlands, gegründet 1974 und als Genossenschaft mit rund 90.000 Mitgliedern organisiert. Sie unterhält als eine der wenigen grünen Banken echte Filialen und finanziert seit Jahrzehnten erneuerbare Energien, Bio-Höfe und soziale Einrichtungen. Günstig ist das nicht: Zur Kontoführung von etwa 3,80 Euro im Monat kommt ein GLS-Beitrag von 5 Euro monatlich, der die gemeinschaftliche Arbeit trägt; für Menschen unter 28 und für Geringverdienende sinkt er deutlich. Wer Tiefe und eine Bank mit klarer Haltung sucht, ist hier richtig.
UmweltBank – die Konsequente
Die UmweltBank aus Nürnberg finanziert ausschließlich ökologische Projekte, von Solarparks bis zu nachhaltigem Wohnraum. Lange war sie eine reine Anlage- und Finanzierungsbank; seit Kurzem gibt es auch ein Girokonto. In den ersten zwölf Monaten ist die Kontoführung kostenlos, danach kostet sie 4,90 Euro im Monat. Die Stiftung Warentest zählte die UmweltBank 2025 zu den wenigen Instituten, die sie als streng nachhaltig einstufte. Für viele ist sie der naheliegendste Einstieg, wenn Klimaschutz im Vordergrund steht.
EthikBank – die Kompromisslose
Die EthikBank, eine Zweigniederlassung der Volksbank Eisenberg, legt sämtliche Kundengelder nach strengen Ausschlusskriterien an – kein Cent fließt in Atomkraft oder Kriegswaffen. Sie ist eine reine Online-Bank, funktional und ohne Schnörkel. Der Preis für diese Konsequenz ist der höchste im Vergleich: 8,50 Euro Kontoführung im Monat, für Neukunden im ersten Jahr über die Aktion „Girokonto Klima“ auf 2 Euro reduziert. Bargeld gibt es kostenlos an den vielen Automaten der Volks- und Raiffeisenbanken. Wer Verlässlichkeit über den Preis stellt, ist hier gut aufgehoben.
Tomorrow – die Digitale
Tomorrow aus Hamburg ist die App-Antwort auf die klassische Ökobank: B-Corp-zertifiziert und komplett aufs Smartphone ausgelegt. Streng genommen ist Tomorrow keine Bank, sondern arbeitet mit der lizenzierten Solaris SE zusammen. Das Einstiegskonto „Now“ startet bei 0 Euro im Monat, eine Bargeldabhebung ist frei, jede weitere kostet 3 Euro; ein Teil der Einnahmen fließt in Klimaprojekte. Die Grenzen liegen im Funktionsumfang – kein klassisches Webbanking, kein breites Wertpapierdepot – und die wiederkehrenden Turbulenzen beim Partner Solaris sollte man kennen, bevor man sein Hauptkonto dorthin verlegt.
Ein Name fehlt hier bewusst: Die Triodos Bank, lange eine feste Größe unter den grünen Konten, zieht sich bis 2027 aus dem deutschen Markt zurück. Für ein neues Konto ist sie deshalb keine Empfehlung mehr – wer dort noch Kunde ist, sollte sich in Ruhe nach einer Alternative umsehen.
* Mit einzelnen Anbietern (aktuell UmweltBank und Tomorrow) arbeiten wir über Affiliate-Partner zusammen. Eröffnest du über einen dieser Links ein Konto, erhält Nachhaltify eine kleine Vergütung – für dich ändert sich am Preis nichts. Unsere Einschätzung bleibt davon unberührt.
Was ein nachhaltiges Girokonto kostet
Kostenlos ist grünes Banking selten, und das hat einen Grund. Klassische Gratiskonten finanzieren sich oft über Erträge aus genau den Geschäften, die eine nachhaltige Bank meidet. Wer diese Einnahmequellen ausschließt und dazu in kleinerem Maßstab arbeitet, muss die Kosten anders decken – über eine überschaubare monatliche Gebühr.
Die Spanne reicht von 0 Euro beim Einstiegskonto von Tomorrow, bei dem dafür jede zusätzliche Bargeldabhebung zu Buche schlägt, bis zu 8,50 Euro bei der EthikBank. Unterm Strich bewegen sich die meisten grünen Girokonten zwischen 40 und gut 100 Euro im Jahr.
Ein grünes Konto kostet ein paar Euro im Monat. Wofür genau, lässt sich hier ausnahmsweise ziemlich genau beantworten.

Woran du erkennst, ob eine Bank wirklich grün ist
Zwischen ernst gemeinter Nachhaltigkeit und grüner Fassade liegt manchmal nur ein Wort im Marketing. Auch im Finanzbereich gibt es Greenwashing – Produkte, die ökologisch klingen, bei genauem Hinsehen aber wenig halten. Zwei Anhaltspunkte helfen weiter.
Der erste sind unabhängige Bewertungen. Der Fair Finance Guide prüft Banken regelmäßig auf ihre Selbstverpflichtungen und Ausschlusskriterien; GLS, UmweltBank und EthikBank stehen dort seit Jahren vorn. Wo mehrere unabhängige Stellen zum selben Ergebnis kommen, kannst du dich in der Regel darauf verlassen.
Der zweite Anhaltspunkt ist Transparenz. Eine Bank, die es ernst meint, legt ihre Kriterien offen und zeigt, wohin das Geld fließt. Findest du auf der Website keine klaren Ausschlüsse, sondern nur schöne Bilder und weiche Begriffe, ist das ein Warnsignal.
Drei Fragen schaffen schnell Klarheit:
- Welche Branchen schließt die Bank ausdrücklich aus?
- Veröffentlicht sie, wohin die Einlagen fließen?
- Bestätigen unabhängige Stellen wie der Fair Finance Guide das Bild?
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Welche nachhaltige Bank zu wem passt
Die „beste“ nachhaltige Bank gibt es nicht – es gibt nur die, die zu deinem Alltag passt. Ein paar grobe Richtungen:
- Du willst maximale Tiefe und eine Bank mit Filialen und Haltung: GLS Bank.
- Klimaschutz steht für dich im Zentrum, und du magst einen sanften Einstieg: UmweltBank – im ersten Jahr ohne Kontoführungsgebühr.
- Dir sind strenge Kriterien wichtiger als der Preis, und Online-Banking reicht dir: EthikBank.
- Du regelst dein Geld am liebsten komplett per App: Tomorrow – am besten als Zweitkonto, solange dir Depot und Webbanking nicht fehlen.
Der Kontowechsel – leichter, als du denkst
Die Sorge vor dem Aufwand hält viele länger bei ihrer alten Bank, als ihnen lieb ist. Dabei ist der Wechsel heute weitgehend automatisiert. Nach dem Gesetz muss dir deine neue Bank auf Wunsch beim Umzug helfen: Daueraufträge und Lastschriften werden übernommen, Zahlungspartner informiert, das alte Konto am Ende geschlossen.
In der Praxis dauert die Einrichtung selten länger als eine Viertelstunde, den Rest erledigt der Wechselservice im Hintergrund. Ein guter Moment, um gleich zu prüfen, ob auch der Dauerauftrag für den Sparplan noch zu deinen Werten passt.
Was ein grünes Konto verändern kann – und was nicht
Ehrlich bleiben gehört dazu: Ein Kontowechsel rettet das Klima nicht. Die Summen auf einem einzelnen Girokonto sind zu klein, um Konzerne umzustimmen. Wer das erwartet, wird enttäuscht.
Und doch ist das Konto der stillste Hebel, den du hast. Anders als der bewusste Wocheneinkauf, den du jedes Mal aufs Neue durchhalten musst, wirkt eine einmal getroffene Kontoentscheidung jeden Tag weiter – ohne dass du noch einen Gedanken daran verschwendest. Genau das macht sie so unterschätzt. Wer beim bewussten Alltag schon kleine Schritte geht, verlängert die Linie hier fast beiläufig bis zum eigenen Geld.
Der nächste logische Schritt führt vom Konto zur Anlage. Wie du dein Erspartes über ein grünes Konto hinaus wirken lassen kannst, liest du in unserem Überblick zur nachhaltigen Geldanlage.

Häufige Fragen zur nachhaltigen Bank
Was ist eine nachhaltige Bank?
Eine nachhaltige Bank legt das Geld ihrer Kundinnen und Kunden nach ökologischen und sozialen Kriterien an. Sie schließt Branchen wie Rüstung, Atomkraft und fossile Energien aus und finanziert stattdessen Projekte mit Umwelt- oder Gesellschaftsnutzen.
Welche nachhaltige Bank ist 2026 die beste?
Eine pauschal beste Bank gibt es nicht. Als besonders streng gelten GLS Bank, UmweltBank und EthikBank; Tomorrow ist die stärkste rein digitale Option. Welche passt, hängt von Preis, Filialwunsch und gewünschtem Funktionsumfang ab.
Ist ein nachhaltiges Girokonto teurer?
Meist ja, aber überschaubar. Die Kontoführung liegt je nach Anbieter zwischen 0 und 8,50 Euro im Monat. Der Aufpreis gegenüber einem konventionellen Gratiskonto finanziert den Verzicht auf bestimmte Geschäftsfelder.
Ist mein Geld bei einer nachhaltigen Bank sicher?
Ja. Für alle genannten Anbieter gilt die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro pro Person. Bei Tomorrow greift sie über den Bankpartner Solaris SE.
Kann ich einfach zu einer grünen Bank wechseln?
Ja. Alle vorgestellten Banken bieten einen Kontowechselservice, der Daueraufträge und Lastschriften überträgt und Zahlungspartner informiert. Der Aufwand für dich beschränkt sich meist auf wenige Minuten.
Woran erkenne ich Greenwashing bei Banken?
An fehlender Transparenz. Seriöse Anbieter nennen klare Ausschlusskriterien und legen offen, wohin die Einlagen fließen. Fehlen solche Angaben, lohnt ein Blick in unabhängige Bewertungen wie den Fair Finance Guide.
Ist Tomorrow eine echte Bank?
Im rechtlichen Sinn nicht. Tomorrow ist ein Banking-Anbieter und wickelt die Konten über die lizenzierte Solaris SE ab. Für Einlagensicherung und Kontoführung ist damit ein voll regulierter Partner zuständig.
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Fazit: dein Geld folgt dir, ob du willst oder nicht
Eine nachhaltige Bank ist kein großes Bekenntnis, sondern eine einmalige, ruhige Entscheidung mit langer Wirkung. Die Auswahl ist 2026 groß genug, dass für fast jeden Anspruch etwas dabei ist – von der genossenschaftlichen GLS Bank bis zur App von Tomorrow.
Kein Konto verändert die Welt. Aber wer weiß, was mit seinem Geld passiert, während es einfach nur daliegt, trifft eine bewusstere Entscheidung. Das ist ein guter Anfang – und einer, den du nur einmal treffen musst.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine Finanz- oder Anlageberatung dar. Alle Konditionen Stand Mitte 2026 – die aktuellen Angaben findest du direkt bei der jeweiligen Bank.
Quellen
- Stiftung Warentest: Finanztest, Ausgabe 4/2025 – Nachhaltige Girokonten im Test – test.de
- Fair Finance Guide Deutschland: Bankenbewertung 2025 – fairfinanceguide.de
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